EM Sommer 2008 - eigentlich sollten diese drei Wochen für mich als eingefleischten Fußballfan die schönste Zeit des Jahres sein. Ist es aber nicht. Ich wohne etwa 30m Sichtblick von der Leopoldstraße entfernt und wirklich jeden Abend gibt es ein Gehupe bis mindestens zwei Uhr in der Nacht. Diese Zeit lässt sich aber beliebig nach hinten verschieben - je nachdem wer gewonnen hat:
Platz 1: Deutschland (bis vier Uhr morgens nach dem Portugal-Spiel)
Platz 2: Türkei (bis halb vier Uhr nach dem Kroatien Match)
Platz 3: Türkei (vs. Tschechien bis 3 Stunden nach Mitternacht)
Fotos dazu habe ich unter anderem bei Seokratie gefunden. Ich bin wirklich kein Spaßverderber, allerdings sollten doch zwei Stunden feiern und hupen (bei den derzeitigen Benzinpreisen) doch ausreichen, oder? Die Polzei tut leider auch nichts gegen die Lärmbelästigung. Anstatt für Ruhe und Sicherheit zu sorgen stehen die Mannen und Frauen in Kampfmontur am Cafe Munich und schauen gespannt zu. In der Halbzeitpause werden dann ein paar Knöllchen ausgeteilt - eine tolle ABM Maßnahme…
Am vergangenen Donnerstag war ich beim Spiel Deutschland-Portugal im Herzogkeller in Bayreuth. Was mich dort geschockt hat, waren die rassistischen Auswüchse während der Übertragung. Da wurde nicht nur die verbotene Strophe der Nationalhymne gesungen - nein auch die Portugiesen wurden beleidigt und bepöbelt. Ich habe mich dann in der Halbzeitpause in ein ruhiges Cafe verzogen.
Das deutsche Nationalbewußtsein ist unter anderem durch die WM 2006 wieder zum Vorschein gekommen. Ich kann mich noch an die Euro 1998 erinnern und da ist wahrlich keine Menschenmenge oder ein Autokorse mit Fahnen durch die Straßen gezogen. Ich verurteile dieses Verhalten nicht und es zeigt auch, dass die Zeit alle Wunden heilt ( 5€ ins Phrasenschwein), allerdings sollte man sich seiner Staatsgeschichte bewusst sein. Als ich an diesem sonnigen Nachmittag in Bayreuth saß, kamen mir unweigerlich bei dieser Menge an Menschen und der Verblendung einiger - ob durch Alkohol oder sonstige Dinge - Gedanken auf, wie es einmal gewesen sein kann, als die Nazi Propaganda Früchte trug.
Während ich das gerade schreibe, düsen gerade die russischen Fans hupend und Fahnen schwenkend über die Leo. Genug geheult für heute, ich suche mir eine neue Wohnung.

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